Neue Wege für KMUs


Interview der Handelsblatt Journal Redaktion mit Patrick Berhalter, Inhaber, CEO, Berhalter AG

Herr Berhalter, Sie sind ein traditionsreiches, innovatives Familienunternehmen im Maschinenbau, doch neuerdings bezeichnen Sie sich als „Anbieter von intelligenten Kundenlösungen“ und sprechen von den „Erfolgsfaktoren Inspiration, Innovation und gelebte Partnerschaft“. Wie dürfen wir das verstehen und was hat diesen Wandel verursacht?

Patrick Berhalter: Das ist eine sehr interessante Frage. Wir haben uns in den letzten Jahren überdurchschnittlich und einzigartig stark in unseren Geschäftsfeldern „die-cutting“, Stanztechnik und „tec-spiration“ entwickelt und neu positioniert. Die Geschäftsmodelle sind unter dem Dach Berhalter AG und unter der Vision „wir verbinden Ideen und Menschen“ aufgebaut. Bei den Ideen geht es darum Einzigartiges zu erreichen. Ein digitales Innovations-Management gepaart mit sehr viel Wissen und Know-how hilft uns dabei. Wir erarbeiten Themen in heterogenen Teams, das heisst: Zusammenarbeit von jüngeren, erfahreneren Mitarbeitern und unterschiedliche Männer/Frauen-Anteile Mit „out of the box“ Denken und „desingned thinking“ und einfach einer Kultur sich zu treffen zu Themen sind wir sehr schnell und effiziente in der Ideenfindung.

Natürlich muss die Mission, z.B. als Weltmarktführer oder als Know-how Kompetenz-Center aufzutreten, für alle Mitarbeiter klar sein. Wir sind weltweit führender Maschinenbau-Anbieter von Stanzautomaten für die Verarbeitung von Folien ab Rolle mit einem breiten Portfolio. Dabei muss die Strategie geschärft werden, was das bedeutet mit einem Exportanteil von knapp 97% aus der Schweiz können Sie sich sicher vorstellen. Zudem braucht es auch eine Off enheit für Partnerschaften mit Kunden, aber auch mit Lieferanten, Fachhochschulen und Universitäten. Im Weiteren haben wir diverse Industrie 4.0 Themen in Produkte, Module und Maschinen integriert. Weitere Anwendungen rund um die Themen Produktion/Logistik zusätzlich implementiert. Aktuell erhält der Kunde die Möglichkeit mit der Berhalter App, kombiniert mit der neuesten RFID Technologie in unseren Stanzwerkzeugen, im Thema „Data-Analytics“ für sich weitere Nutzen zu generieren. Damit können auch schlankere und intelligentere Prozesse, welche für uns alle wichtig sind erreicht werden.

Ein Beispiel aus dem Geschäftsfeld „tec-spiration“: Durch ganzheitliches Denken für den Kunden, konnte nur durch eine neue, intelligente Materialwahl jährlich ca. CHF 200‘000 (ca. 175‘000 Euro) eingespart werden. Die Oberfl ächenanforderungen und der Verzug konnte verbessert werden und die Produktionskosten um weitere 35 % gesenkt werden. Zu guter Letzt konnte der Kunde sogar eine 8-fach Zeiteinsparung bei der Endmontage durch die neuartige Fertigung erreichen. Es lohnt sich an Einzigartigkeit zu arbeiten!

Wie haben Ihre Kunden auf die Veränderungen reagiert?

Patrick Berhalter: Die Wahrnehmung hat sich sehr stark verändert. Von einem Produkte- oder Dienstleistungs-Lieferant zum Know-how Partner. Bei Besuchen kommt schon einmal die Aussage: Wir wissen, dass ihr die Nr. 1 im Bereich Stanztechnik seid. Das sind wir auch im Sinne eines Innovations-Leaders. Wir haben zudem erreicht auch als Sparingpartner zusammen mit den Kunden zu agieren. Heute sind wir für den Kunden ein Kompetenz- und Know-how Partner in beiden Geschäftsfeldern. Die Kunden-Anforderungen mit Inspiration zu lösen ist unsere Passion. Wir arbeiten mit „Freude an der Technik“ um maßgeschneiderte, innovative kundenspezifi sche Mehrwerte zu generieren.

Wie konnten Sie die Mitarbeiter dafür gewinnen?

Patrick Berhalter: Die Mitarbeiter müssen ein Teil der Unternehmensentwicklung sein, quasi eine Einheit die unternehmerisch denkt. Wir verwenden einiges an Zeit um unsere Kultur und Werte zu pflegen. Starke Führungspersönlichkeiten machen uns aus, welche unsere Mitarbeiter z.B. im Thema Veränderungsbereitschaft fördern. Dies wird bei uns sowohl im Tagesgeschäft  als auch in Workshops umgesetzt.

Was hat sich – in Zahlen ausgedrückt – seitdem für Berhalter verändert?

Patrick Berhalter: Im letzten Jahr konnten wir Rekord Maschinenverkäufe im Geschäftsfeld  „diecutting“ erzielen. Die Anzahl der Neukunden im Geschäftsfeld „tec-spiration“ übertraf unsere kühnsten Erwartungen.

Was ist Ihre Vision für die Berhalter AG 2030?

Patrick Berhalter: Im Jahr 2030 wird die Firma Berhalter komplett digitalisiert, so eine Art „Smart Company“ sein. Wir werden uns mit neuen, angepassten Geschäftsmodellen weiter stark positionieren, wenn nötig sogar disruptiv. Dies wird deutlich am hohen Maß an Kompetenzen sowie an der Vielfalt an Ideen, Innovationen und dem enormen Technologie-Know-how zu sehen sein. Die Strategie ist dabei komplett auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet. Echte Mehrwerte für unsere Kunden bilden den Grundstock unseres Erfolges.

Welchen Rat würden Sie anderen KMUs aufgrund Ihrer Erfahrung geben?

Patrick Berhalter: Denken Sie daran Ihr Unternehmen so zu gestalten, dass Ihre Mitarbeiter und Ihre Kunden von Ihnen begeistert sind. Wir sehen dies unter dem Motto „survival of the fittest“ – aber auch im Sinne einer intelligenten Denkfabrik. Das bedeutet sich als Unternehmen zu verhalten wie ein „Start-up“, zu denken wie „Google“ und bodenständig zu bleiben wie die „Berhalter AG“. Als Anregung der Schlusssatz des Kinofilms Lucy: Vor 100 Millionen Jahren wurde den Menschen das Leben geschenkt – „macht etwas daraus!“

„ Die Mitarbeiter müssen ein Teil der Unternehmensentwicklung sein, quasi eine Einheit die unternehmerisch denkt. Wir verwenden einiges an Zeit um unsere Kultur und Werte zu pflegen.“

BerhalterPatrick Berhalter

Dieser Artikel ist Teil des Handelsblatt Journals „Die vernetzte Industrie“, das Sie hier herunterladen können.