Interview mit Rea Schegg (GF Machining Solutions)


Was ist Design Thinking genau?

Rea Schegg ist Design Thinking Leader bei GF Machining Solutions. Beim Schweizer Strategietag Industrie 4.0 am 10. Januar 2019 in Rüschlikon referiert sie über die Anwendung von Design Thinking als Innovationstreiber bei GF Machining Solutions. Im Interview spricht sie bereits jetzt mit uns über die Umsetzung von Design Thinking im Unternehmen.

Was ist Design Thinking genau?

Es gibt unzählige Definitionen und Frameworks zum Begriff „Design Thinking“ (DT), die alle in etwa das gleiche beschreiben, aber verschiedene Nuancen hervorheben. Wir bei GF haben seit Beginn unserer Design Thinking Reise eng mit der Design- und Innovationsagentur IDEO aus dem Silicon Valley zusammengearbeitet. Darum fühlen wir uns der Design Thinking Definition von IDEO auch am engsten verbunden. Tim Brown, CEO von IDEO, beschreibt den Begriff Design Thinking folgend:

“Design thinking is a human-centered approach to innovation that draws from the designer’s toolkit to integrate the needs of people, the possibilities of technology, and the requirements for business success.”

Wir bei GF verstehen zudem Design Thinking als einen systematischen, iterativen und kollaborativen Ansatz, um Probleme erst zu identifizieren und dann auf kreative Art und Weise zu lösen. Uns geht es weniger darum, einem genauen Prozess zu folgen oder exakte Werkzeuge anzuwenden, sondern wir verstehen es in erster Linie als Mindset, welches den Menschen immer ins Zentrum des Innovationsprozesses stellt.

Macht der Ansatz in jedem Unternehmen, ob KMU oder Grossbetrieb, Sinn?

Meiner Meinung macht der Ansatz Design Thinking überall Sinn, egal ob im Grossbetrieb, KMU, Start-up oder sogar im eigenen Privatleben. Da es dabei weniger um die exakte Anwendung eines Prozesses oder Werkzeuge geht, sondern um eine innere Einstellung, die den Menschen ins Zentrum von neuen Innovationen stellt, sind dem Ansatz keine Grenzen gesetzt. Problematisch wird die Anwendung von Design Thinking, wenn die vorherrschende Firmenkultur und das Mindset von Design Thinking stark auseinandergehen. Design Thinking ist keine magische Pille, die Projekten schnell zu neuem Glanz verhilft, sondern ist harte Arbeit und braucht ein Klima, in dem Experimente schnell durchgeführt und Fehler gemacht werden dürfen, immer mit dem Ziel zu lernen. Wenn in einem Unternehmen nicht genau definiert ist, wie die Vorteile von Design Thinking in die existierenden Innovations- und Produktentwicklungsprozesse eingebaut werden können, wird eine Design Thinking Abteilung immer gegen interne Widerstände ankämpfen müssen. Falls eine Anpassung der existierenden Prozesse nicht möglich ist, oder der Schritt der Veränderung zu gross erscheint, kann auch eine separate Innovationsabteilung mit eigenen Prozessen und Regeln kreiert werden, damit in diesem geschützten Umfeld das Potential von Design Thinking voll ausgeschöpft werden kann.

Wie treibt die Methodik die Innovation bei GF Machining Solutions konkret an?

GF Machining Solutions ist ein sehr stark technologiegetriebenes Unternehmen mit einer langen Historie von erfolgreichen Innovationen, die in den eigenen F&E Abteilungen entstanden sind. Nun ist es aber so, dass es in der heutigen Zeit immer schwieriger ist, sich von den Mitbewerbern in Asien abzuheben, gerade auch weil wir aufgrund des starken Frankens gewisse Nachteile im globalen Wettbewerb haben. Zudem verlangen unsere Kunden immer mehr digitale Lösungen, deren Entwicklung wenig mit dem traditionellen Entwicklungsprozess einer Maschine gemein haben. Design Thinking versucht hier, zwischen diesen beiden Welten zu vermitteln. Zum einen testen wir im Software-Bereich, wie die Erkenntnisse, die mit Design Thinking gewonnen wurden, mit agilen Entwicklungsmethoden schneller umgesetzt werden können, zu anderen versuchen wir in den herkömmlichen, produktebezogenen Entwicklungsprojekten relevanten Projektschritte mit Design Thinking Methoden zu unterstützen. So möchten wir zum Beispiel den Ablauf von Maschinentests bei Kunden neu definieren, um bessere Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit zu gewinnen. Ein weiteres Ziel des Design Thinking Teams ist es zudem, ein neues Innovations-Programm zu definieren, das den Mitarbeitern Freiraum für die Umsetzung eigener Ideen lässt und so den Unternehmergeist verstärkt.

Welche Innovationen sind bei GF bereits mithilfe von Design Thinking Methoden entstanden?

Um Design Thinking im Unternehmen bekannt zu machen, haben wir zu Beginn unserer DT Initiative in jeder Division ein sogenanntes „Lighthouse“ Projekt durchgeführt. Bei GF Machining Solutions haben wir uns mit der Weiterentwicklung einer digitalen Serviceplattform beschäftigt, die unsere Kunden bei der täglichen Arbeit in der Produktion und vor allem bei der Fehlerbehebung unterstützen soll. Nach der Erstellung des Konzeptes hat ein interdisziplinäres Team einen ersten Prototyp der Plattform erstellt, den wir dann über drei Monate lang bei fünf Kunden in ihrer Produktion live getestet haben. So konnten wir viel darüber lernen, welche Funktionen tatsächlich benötigt werden. Nun arbeitet ein Team mit Experten aus den Bereichen Kundenservice, Software-Entwicklung und Design Thinking intensiv an der Entwicklung der Plattform.

Neben diesem Lighthouse-Projekt unterstützt das interne Design Thinking Team weitere Projekte in der Anwendung der Methode. Ausserdem haben wir zahlreiche Mitarbeiter in DT geschult, so dass sie die Methode bei ihren eigenen Projekten anwenden können.