Interview mit Raymond Cron, Geschäftsführer, Switzerland Innovation – «Ohne Kooperation keine Innovation.»


«Innovation entsteht an der Kaffeemaschine» – dieses Sprichwort ist sinnbildlich für Switzerland Innovation.

1. Switzerland Innovation setzt sich für die Verknüpfung der Schweizer Hochschulen und Universitäten mit der Wirtschaft ein. Wie machen Sie das genau?

«Innovation entsteht an der Kaffeemaschine» – dieses Sprichwort ist sinnbildlich für Switzerland Innovation. Unser Netzwerk bildet heute ein lebendiges Ökosystem aus Forschungseinrichtungen, etablierten Firmen und Jungunternehmen. Die Innovationsparks erleichtern die Vernetzung zwischen Hochschulen und Unternehmen und fördern deren Zusammenarbeit. Durch den engen Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung an einem Ort wird der Weg von der Idee zu einem kommerziellen Produkt oder einer neuen Dienstleistung verkürzt. Die räumliche Nähe zwischen den Akteuren hilft, die Entwicklungsprozesse zu beschleunigen – neue Ideen können direkt und unkompliziert ausgetauscht und weiterentwickelt werden.

Switzerland Innovation schafft also nicht nur Freiraum für neue Ideen, sondern bringt die Industrie und Hochschulen näher zusammen und eröffnet ihnen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die Standorte von Switzerland Innovation fokussieren sich thematisch auf Innovationsschwerpunkte, bei denen sie jeweils über eine hochstehende Forschungs- und Entwicklungskompetenz verfügen. Gleichzeitig steht Raum für gemeinsame Infrastrukturen und für die Ansiedlung von Forschungsgruppen und Unternehmen unterschiedlicher Grösse zur Verfügung.

2. Welche Erfolge können seit der Gründung der Initiative verbucht werden? (Antwort ca. 800 Zeichen inkl. Leerschläge)?

Seit der offiziellen Lancierung von Switzerland Innovation im Januar 2016 hat die Initiative einen enormen Schub ausgelöst. Inzwischen zählen wir an allen Standorten rund 200 angesiedelte Unternehmen und Projekte. Dabei können wir unser Potenzial zurzeit nicht voll ausschöpfen, weil wir nicht allen interessierten Firmen Platz in unseren Parks bieten können. Umso erfreulicher ist, dass wir allein dieses Jahr bei den Standorten in Biel und in

Villigen beim Paul Scherrer Institut zwei Neubauprojekte starten konnten. Ein weiteres Projekt in Basel startet im Frühjahr 2020. Und auch in der Westschweiz sind an mehreren Standorten neue Projekte in Planung oder in Realisierung.

3. Was sind zentrale Erfolgsfaktoren, um externe Ökosysteme miteinander zu vernetzen? (Antwort ca. 800 Zeichen inkl. Leerschläge)?

Die örtliche Nähe als wichtige Voraussetzung wurde bereits erwähnt. Um Erfolg zu haben müssen Innovationsökosysteme forschungsorientierten Unternehmen ein optimales Umfeld, attraktive Dienstleistungen sowie erstklassige Infrastruktur für Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu bieten. Erfolgskritisch ist zudem die Qualität bzw. die Exzellenz der Forschenden bzw. der Hochschulen innerhalb des Ökosystems. Um im Wettbewerb bestehen zu können brauchen Unternehmen Zugang zu den besten Köpfen. Und diese werden wiederum von den besten Hochschulen und Universitäten angezogen.

Schliesslich muss das Ökosystem dazu beitragen, dass die richtigen Köpfe aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenfinden. Dazu benötigen Sie etwa Spezialisten aus dem Bereich Wissens- und Technologietransfer, welche die Bedürfnisse von beiden Seiten aus eigener Erfahrung kennen und verstehen und den Link zwischen beiden herstellen können.

4. Welche Kernbotschaften können Sie darauf basierend produzierenden Unternehmen mit auf den Weg geben, um externe Kooperation stärker zu forcieren und das Maximum aus strategischen Allianzen herauszuholen (Antwort ca. 800 Zeichen inkl. Leerschläge)?

Bei der Entwicklung von Innovationen tendieren Unternehmen noch häufig, neue Produkte im Alleingang zu entwickeln. Dabei wird übersehen, dass im Zeitalter von Digitalisierung und «open innovation» dieser Weg zu langsam und deshalb wenig erfolgsversprechend ist. Die besten Ideen entstehen häufig nicht im stillen Kämmerlein, sondern im Austausch mit anderen, also etwa in Zusammenarbeit mit Forschern und Industriepartnern unter Einbezug der Kunden, Zulieferer und Investoren. Innovationsparks bieten Unternehmen das richtige Umfeld für Produktinnovationen. Sie schaffen ein Ökosystem, in dem alle relevanten Akteure zusammenkommen, sich austauschen und Ideen zu Produktinnovationen weiterentwickeln können. Und wo Unternehmen ihr Innovationspotenzial besser und erfolgreicher ausschöpfen können.