Interview mit Prof. Dr. Alexandra Cloots (FHS St. Gallen)


Prof. Dr. Alexandra Cloots ist Co-Leiterin des HR-Panels New Work bei der FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Beim Schweizer Strategietag Industrie 4.0 am 10. Januar 2019 in Rüschlikon hält Prof. Dr. Cloots eine Keynote zum Thema „New Work – neue Arbeitsformen rund um die Digitalisierung“ – im Interview sprach sie bereits jetzt mit uns über zukunftsfähige Arbeitsmodelle und innovative Konzepte für die Arbeitswelt von morgen.

1. Was beinhaltet der Begriff „New Work“?

Die Gestaltung der New Work bringt eine Transformation der Arbeit mit sich, die zum Ziel hat, dass Arbeit frei, selbstbestimmt und sozialkompetent (i.S.d. Unternehmung) stattfinden kann. Es geht damit um die Ausgestaltung der Arbeit und die Entwicklung neuer Arbeitsformen.

2. Digitalisierung startet beim Menschen. Welche Konsequenzen bringt das für zukunftsfähige Arbeitsmodelle mit sich?

Die Digitalisierung bringt die Vorteile mit sich, dass Arbeitnehmende zum Teil inhaltlich, zeitlich und örtlich unabhängig arbeiten können, wenn dies die Rahmenbedingungen zulassen. Es birgt aber auch die Gefahr, dass die Abgrenzung von Arbeit und Freizeit nicht mehr so gegeben ist. Aus diesen Grunde müssen Arbeitsmodelle geschaffen werden, die eine Selbstbestimmung zulassen, aber eine gute Balance für Erholungsräume bieten. Dies bringt Unternehmen vor die Herausforderung Individualität mit Realisierbarkeit dieser Individualität zu kombinieren, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.

3. Welche innovativen Konzepte haben sich bereits in der Praxis bewährt und woran wird noch geforscht?

Die bewährtesten und bekanntesten Arbeitsmodelle sind sicherlich die der Beschäftigungsgradreduktion und das Sabbatical. Beide sind in vielen Unternehmen schon ein Bestandteil der Arbeitsgestaltung. Ein neueres Arbeitsmodell ist das Arbeitsportfolio. Dieses stellt eine Form der Arbeitsflexibilisierung in Form eines Aufgabenportfolios dar, welches eine Tätigkeitsveränderung bei Mitarbeitenden innerhalb, ggf. auch extern, mit sich bringt. Dieses Modell birgt in der Umsetzung viele Herausforderungen für Unternehmen und Mitarbeitenden mit sich, ist aber sicherlich ein sehr zukunftsträchtiges Arbeitsmodell. In einer aktuellen Studie der FHS St.Gallen anlässlich des 1. St.Galler New Work Forums konnten sich 93% von 920 Studienteilnehmenden vorstellen, sich ein Arbeitsportfolio zu gestalten, unabhängig vom Alter, Funktion und Branche.

4. Welche Unterschiede gilt es in Bezug auf Grossunternehmen und KMU zu berücksichtigen?

Grossunternehmen stehen vor der Herausforderung, möglichst ein Arbeitsmodell zu wählen, welches sich für eine grosse Anzahl an Mitarbeitenden auch wirklich operationalisieren lässt. Es zeigt sich, dass die Digitalisierung hier Möglichkeiten schaffen kann und beispielsweise interne technische Plattformen für Grossunternehmen diesbezüglich neue Lösungswege ermöglichen. KMU können, je nach Grösse, oftmals sehr viel individuellere Arbeitsmodell-Lösungen entwickeln. Wichtig ist aber, und dass zeigen auch unsere Studien, dass unabhängig von der Organisationsgrösse, die Unternehmen sich mit der Gestaltung neuer Arbeitsmodelle auseinandersetzen und zum Teil gemeinsam mit Mitarbeitenden neue Modelle entwickeln.