Interview mit Martin Zehnder, Palfinger (Best Practice Business Transformation)


Interview mit Martin Zehnder, Palfinger (Best Practice Business Transformation)

Palfinger ist höchst erfolgreich unterwegs und hat in den letzten 6 Jahren Jahr für Jahr Bestzahlen geschrieben. Trotzdem erfindet das Management das Unternehmen aktuell von Grund auf neu. Warum das?

Das gesamte Team bei PALFINGER ist sich einig, dass wir in der Vergangenheit vieles richtig gemacht haben und dies auch heute der Fall ist – der Erfolg gibt uns recht. Dennoch beschäftigen wir uns in einer wirtschaftlich sehr erfolgreichen Zeit mit unserer Zukunft, wir stellen uns heute so auf um auch morgen erfolgreich zu sein. Dazu gehört Veränderung.

Unterschiedliche Megatrends wie zum Beispiel die Digitalisierung bestimmen unsere heutige Zeit und einhergehend damit auch unsere Märkte. Hier ist es unsere unternehmerische Aufgabe und Verantwortung, dass wir rechtzeitig unsere Strukturen anpassen und aufbauen um den Entwicklungen nicht nur folgen zu können, sondern diese als Technologieführer proaktiv auch mitzugestalten. Wir wollen nicht als Teilnehmer auf einem Markt der Plattform- Ökonomie agieren – unser Anspruch ist es diese Plattformen bereitzustellen und nah an unseren Kundenbedürfnisse zu entwickeln.

Wer im Grenzbereich arbeitet, sollte jemanden haben, der die Grenzen kennt (https://web.palfinger.com/de/microsite/loadercrane). Mit dieser Überschrift bewerben Sie eines Ihrer Produkte. Wo liegt Ihrer Meinung nach die Grenze der Industrie 4.0 und wie stellen Sie sicher, dass niemand Ihrer Mitarbeiter auf der Reise verloren geht?

Für den Begriff Industrie 4.0 gibt es keine einheitliche, allgemeingültige Definition und entsprechend geht auch das Verständnis weit auseinander was sich dahinter verbirgt. Wir bei PALFINGER sehen in Industrie 4.0 eine evolutionäre Entwicklung unseres globalen Produktionsnetzwerkes. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigen wir uns täglich mit der kontinuierlichen Verbesserung unserer Prozesse. Diese Aktivitäten werden durch Industrie 4.0 nur weiter ergänzt und haben allesamt das Ziel den Mitarbeiter in seinen täglichen Aufgaben zu unterstützen. Sei dies durch die Analyse von Echtzeitdaten und die damit verbundene Entstehung einer objektiven Entscheidungsgrundlage oder Assistenzsysteme, welche dem Mitarbeiter dabei helfen, die durch diversifizierte Produkte und dynamische Marktanforderungen entstandene Komplexität zu verstehen und damit umzugehen.

Die Meinungen zur digitalen Transformation der Industrie sind zwiegespalten. Viele denken, die Automatisierung wird mehr Arbeitsplätze schaffen, andere denken, sie wird Arbeitsplätze vernichten. Wie stehen Sie dazu?

Wir sind momentan nicht in der Situation in der wir darüber nachdenken müssen Mitarbeiter zu entlassen oder Arbeitsplätze in Frage zu stellen. Vielmehr sind wir als Arbeitgeber gefordert uns bei der starken Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften attraktiv zu positionieren. Unser größtes Werk in Österreich liegt nur einen Steinwurf von Unternehmen entfernt, welche momentan auf einem starken Expansionskurs sind (KTM, FACC etc.).

Sicherlich werden durch die Automatisierung gewisse repetitive Tätigkeiten obsolet, gleichzeitig entstehen aber auch zahlreiche neue Tätigkeitsfelder. Die Anforderung an die Mitarbeiter ist es daher, sich in regelmäßigen Weiterbildungen mit neuen Ansätzen zu beschäftigen und diese auszuprobieren.

Einen weiteren großen Vorteil in der Automatisierung sehe ich darin einen Teil unserer Wertschöpfung zurück nach Europa zu holen.

Es gibt keine anerkannte Definition für Industrie 4.0. Wie lautet Ihre persönliche Definition und welche Missverständnisse gibt es?

Industrie 4.0 ist für PALFINGER die Fortsetzung der bereits seit Jahren forcierten Aktivitäten in der Digitalisierung und kontinuierlichen Verbesserung. Wir haben unser Produktionsnetzwerk über viele Jahre hinweg optimiert und für die Zukunft fit gemacht, daher verfolgen wir bei Industrie 4.0 einen evolutionären, mitarbeiterzentrierten Ansatz der Digitalisierung und Vernetzung.

Anders schaut es produkt- und marktseitig aus – hier gibt es einige disruptive Entwicklungen, die einen bedeutenden Teil unseres Geschäftsfeldes verändern wenn nicht sogar bedrohen können. Mit PALFINGER 21st haben wir eine eigene Säule in unserer Unternehmensvision platziert. Diese steht für  ein interdisziplinäres Team welches sich täglich mit neuen Technologien, Marktentwicklungen, Kundenbedürfnissen und neuen Geschäftsmodellen beschäftigt um unser Business im digitalen Zeitalter voranzutreiben.