Interview mit Dr. Christian Zeyer (swisscleantech)


Interview mit Dr. Christian Zeyer (swisscleantech)

Dr. Christian Zeyer ist Geschäftsführer bei swisscleantech. Beim Schweizer Strategietag Industrie 4.0 am 10. Januar 2019 in Rüschlikon moderiert er das Fachforum Energie- und Ressourceneffizienz dank Digitalisierung“. Im Interview spricht er bereits jetzt mit uns über Nachhaltigkeit in der digitalen Transformation.

1. Die neuste Publikation von swisscleantech (Der Weg in eine klimafreundliche Zukunft) illustriert 12 Schritte auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft. Welchen Beitrag können Schweizer Produktionsunternehmen leisten?

Die Schweizer Produktionsunternehmen können gleich in doppeltem Sinn einen Beitrag leisten: Erstens bieten sie viele innovative Produkte an, die bei ihren Kunden Energiekosten und Emissionen reduzieren. Dieser Effekt wird dann nicht nur in der Schweiz, sondern sogar weltweit spürbar. Zweitens können sie ihre eigene Produktion schrittweise optimieren und klimagerecht gestalten. Dabei sollten Firmen vor allem auf zwei Dinge achten: Kluge Investitionsplanung und gutes Energiemonitoring. Wer heute zum Beispiel bereits einen internen CO2- Schattenpreis für die Investitionsrechnung verwendet und konsequent auf Lebenszykluskosten setzt, versichert seine Investition gegen steigende Kosten und macht sich fit für die Zukunft.

 

2. Welche Business Cases sehen Sie für Unternehmer, die sich zukunftsgerichtet für ein nachhaltigeres Wirtschaften einsetzen?

Die „Industrie 5.0“ wird nicht mehr eine Industrie der Güter, sondern eine Industrie der Dienstleistung sein. Das kann dazu führen, dass wir unsere Produkte radikal neu denken werden. Mindestens eine Mrd. Menschen drängen in den BRIC-Staaten in den Mittelstand. Rohstoffe werden knapp und teuer. Eigentlich sollten wir heute darüber nachdenken, dass die Produkte, die wir heute verkaufen, morgen unsere Rohstoffe sein könnten. Produkte neu denken bedeutet zum Beispiel, dass das Gerät im Eigentum des Herstellers bleibt und dieser nur den Dienst zur Verfügung stellen. Damit das gelingt, muss jedoch die ganze Lieferkette radikal neu gedacht werden.

3. Welche Voraussetzungen braucht es, damit der digitale Wandel gezielt zu einer nachhaltigen Transformation der Wirtschaft beiträgt?

Die Antwort wird letztlich die Politik geben. Wie schaffen wir Rahmenbedingungen, die wichtige Umweltressourcen wie das Klima, die Meere oder auch die Biodiversität schützen? Haben wir gute Rahmenbedingungen, stimulieren diese – unter anderem dank der Digitalisierung – die Innovation und transformieren so die Wirtschaft. Die Industrie kommt aus einer Vergangenheit, in der unsere Arbeit schmutzig, ineffizient und laut war. Die Zukunft der Produktion ist sauber, leise und effizient. Und die Teilnehmer des Industrietags sind mitten in dieser Transformation drin. Wer heute die Augen offenhält und auf Innovation setzt, gehört morgen zu den Gewinnern.

4. Sie gestalten am Strategietag gemeinsam mit Schneider Electric und act Cleantech Agentur Schweiz ein Fachforum mit dem Titel «Energie- und Ressourceneffizienz dank Digitalisierung». Was erwartet die Teilnehmer?

Wir wollen zeigen, wie gross der Bereich ist, in dem die Digitalisierung die Produktion effizienter machen kann. Das beginnt mit dem «digitalen Zwilling», mit dem vieles optimiert werden kann, bevor es überhaupt gebaut wird, geht über zu den Kosteneinsparungspotenzialen, die mit der geschickten Verbindung von Demand Side Management und dem Eigenverbrauch von selberproduziertem erneuerbarem Strom erreicht werden können und endet damit, dass wir demonstrieren, wie mit virtueller Realität der Betrieb von Anlagen optimiert werden kann.