Interview mit Prof. Dr. Sabine Sulzer: Klimaneutrale Gebäude sind keine Utopie – werden sie umgesetzt?

Prof. Dr. Sabine Sulzer
Leiterin Wissens- und Technologietransfer der koordinierten Energieforschung an Gebäuden und Arealen (SCCER FEEB&D), Studiengangleiterin Energy and Environmental Systems Engineering, Hochschule Luzern

Bei Neubauten haben wir in der Schweiz immer mehr klimaneutrale Vorzeigebeispiele. Natürlich noch nicht flächendeckend – auch hier kann noch mehr gemacht werden.

Wo es jedoch am meisten hapert, ist bei den bestehenden Gebäuden.

Sabine Sulzer, der Titel Ihres Referats am Planertag lautet «Klimaneutrale Gebäude sind keine Utopie – werden sie umgesetzt?». Wo hapert es aktuell noch mit der Umsetzung

Bei Neubauten haben wir in der Schweiz immer mehr klimaneutrale Vorzeigebeispiele. Natürlich noch nicht flächendeckend – auch hier kann noch mehr gemacht werden. Wo es jedoch am meisten hapert, ist bei den bestehenden Gebäuden. Die energetische Renovationsrate liegt mit knapp 1% um den Faktor 2-3 zu tief, um die Energiestrategieziele im Gebäudebereich bis 2050 zu erreichen. Die Gründe sind vielfältig: Neben den tiefen Energiepreisen und dementsprechend fehlenden Anreizen fehlen den Bauherren (und -frauen) das Verständnis einer langfristigen Erneuerungsstrategie. Zum Beispiel wird die Heizung erst wenn sie kaputt ist ersetzt – so werden sukzessive einzelne Komponenten ersetzt. Die Zeit, um integrale Lösungen zu evaluieren, fehlt dann häufig.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Wissens- und Technologietransfer der koordinierten Energieforschung an Gebäuden und Arealen (SCCER FEEB&D), die Sie Planungsbüros mitgeben möchten?

In unseren „Faktor 3“ Foren diskutieren wir mit Industrievertreter*innen Umsetzungsstrategien unserer Forschungsresultate. Der gemeinsame Nenner aller fünf bis jetzt durchgeführte Foren ist, dass integrale Gebäudelösungen die Zusammenarbeit und Koordination verschiedener Expert*innen bei der Planung, Umsetzung und dem Betrieb verlangt. Auch die Verantwortlichkeiten und Garantien sind oft fragmentiert. Entsprechend brauchen wir mehr Planer*innen, welche einen transparenten Dialog zwischen den Disziplinen und zwischen Planung, Umsetzung und Betrieb fördern und die Gesamtverantwortung übernehmen. So können wir die Integration erneuerbarer Energien und energieeinsparender Systemlösungen effizienter und effektiver vorantreiben.

Wie geht es weiter mit dem Forschungsprojekt?

Die koordinierte Energieforschung für Gebäude und Areale (Swiss Competence Centers for Energy Research – Future Energy Efficient Buildings & Districts, SCCER FEEB&D) mit unseren Forschungspartnern: EMPA, ETH, EPFL, Uni Genf, Hochschule Luzern, FHNW läuft nach acht Jahren Ende 2020 aus. In diesem Jahr werden wir hauptsächlich die wichtigsten Entscheidungsträger über unsere Forschungs- und Umsetzungsresultate informieren. Dies sind vor allem die Bauherren, Architekt*innen, Planer*innen, Installateur*innen, Betreiber*innen, Politiker*innen und die Behörden. Weiter werden wir die Marktattraktivität unserer Forschungsresultate in laufenden und neuen Pilot- und Demonstrationsprojekten steigern. Diese Projekte sind für die Marktakzeptanz und die Markttauglichkeit essentiell.

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