Interview mit Dr. Kurt Bisang, Stv. Leiter Energieeffizienz & erneuerbare Energien, Leiter Geräte & Wettbewerbliche Ausschreibungen UVEK, Bundesamt für Energie

Im Interview mit Dr. Kurt Bisang fragen wir welche weiteren Anstrengungen braucht es, um die Energiestrategie 2050 umzusetzen? Die Schweiz soll 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen, als mit Senken gespeichert werden können. Stark gefordert sind somit die Bereiche, die für die grossen Anteile an Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, also die Mobilität (32%), die Gebäude (27%) und Industrie (20%). Wie können Planungsbüros dabei Verantwortung übernehmen?


Welche weiteren Anstrengungen braucht es, um die Energiestrategie 2050 umzusetzen?

Die Energie- und Klimapolitik verfolgt ambitionierte Ziele. Der Bundesrat hat in der Klimapolitik für 2050 ein Ziel von Netto-Null formuliert: Die Schweiz soll 2050 nicht mehr Treibhausgase ausstossen, als mit Senken gespeichert werden können. Im Energiegesetz sind Richtwerte für eine deutliche Reduktion des Energieverbrauchs bis 2035 enthalten. Das ist nur erreichbar, wenn die fossilen Brenn- und Treibstoffe stark reduziert und zukünftig überhaupt nicht mehr verwendet werden. Stark gefordert sind somit die Bereiche, die für die grossen Anteile an Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, also die Mobilität (32%), die Gebäude (27%) und Industrie (20%). Dafür braucht es mehr Energieeffizienz, mehr erneuerbare Energien und die Elektrifizierung von mit Brenn- und Treibstoffen betriebenen Anlagen und Fahrzeugen.

Wie können Planungsbüros dabei Verantwortung übernehmen?

In der Bauwirtschaft sind die Investitionszyklen lang. Um Ziele des Bundesrats für das Jahr 2050 zu erreichen, muss unmittelbar gehandelt werden. Ob Gebäude einen geringen Bedarf für Wärme, Kälte und Strom haben und selber Energie produzieren und vielleicht sogar verkaufen steht und fällt mit der Planung. Dabei geht es nicht nur um die Wahl von Anlagen und Materialien zum Zeitpunkt eines Neubaus oder einer Sanierung, sondern auch um die Auslegung der Gebäudetechnik für den Betrieb und die Wartung: einfache und sichere Lösungen sind gefragt. Der Einfluss der Planungsbüros geht zudem über die einzelnen Gebäude hinaus. Gebäude und Areale führen zu Mobilität, deren Bedarf sollte reduziert und auf möglichst emissionsfreie und energieeffiziente Mittel gelenkt werden. Und schliesslich kann auch der Planungs- und Bauprozess selber auf Nachhaltigkeit optimiert werden. Insgesamt nehmen die Planungsbüros in der Energiestrategie 2050 und für die Klimapolitik der Schweiz eine Schlüsselrolle ein.

Wie schätzen Sie die Umsetzung der MuKEn in den Kantonen ein?

Mehrere Kantone haben die MuKEn 2014 bereits weitgehend in ihren Energiegesetzen übernommen und die meisten anderen Kantone sind daran, dies zu tun. Das zeigt zunächst, dass die Massnahmen der MuKEn 2014 funktionieren und umgesetzt werden können. Die meisten Massnahmen, etwa die Deckung des Wärmebedarfs von Neubauten, sind unumstritten. Die grosse Herausforderung bleibt beim bestehenden Gebäudepark und hier wird um den Einsatz von erneuerbarer Wärme beim Heizungsersatz hart gerungen. Das beschäftigt auch den National- und Ständerat in der Revision des CO2-Gesetzes, welches Kantonen ohne entsprechende Massnahmen einen CO2-Grenzwert für Heizungserneuerungen vorschreiben soll. Aus Sicht des Klimaziels des Bundesrates für 2050 ist zu ergänzen: Beim Heizungsersatz wird es Vorgaben – ob von den Kantonen oder dem Bund – zwingend brauchen, diese werden aber alleine nicht genügen. Es braucht auch finanzielle Anreize sowie vor allem ausreichend kompetente Fachkräfte, um die steigende Zahl an Renovationen qualitativ hochstehend umzusetzen. Hier sind wiederum die Planungsbüros gefordert.

Und hören Sie den Vortrag Energiestrategie und Klimaziele 2050 – Herausforderungen an die Baubranche von Dr. Bisang am PLanertag am 10. März.

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