Experten der Branche machten sich am Schweizer Planertag im Campusssaal in Brugg Windisch mit aktuellem Wissen fit für die kommenden Herausforderungen.

Fery Lipp / 12. März 2020 | gebaeudetechnik.ch

Schweizer Planertag 2020 in Brugg

Am diesjährigen Schweizer Planertag haben sich trotz leicht gelichteter Reihen wegen der momentanen Umstände für Versammlungen erneut reichlich Experten der Branche im Campussaal in Brugg Windisch zum praxisorientierten Austausch getroffen. Drei vertiefende Fachforen (Warmwasser – Energieeffizienz – Nachhaltigkeit) gaben eine Rundumsicht auf interessante Entwicklungen.

Nach der Begrüssung durch Reto Brennwald, der den Anlass bereits seit einigen Jahren in bewährter Weise moderiert, stellte Dr. Kurt Bisang, UVEK, Bundesamt für Energie, die Herausforderungen der Energiestrategie und Klimaziele 2050 im Hinblick auf die Baubranche in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Nach einem weltweiten Überblick thematisierte er die Ausgangslage und Ziele in der Schweiz: «Dabei stehen bekanntlich die Steigerung der Energieeffizienz, der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der Atomausstieg im Mittelpunkt», sagte Bisang. Dabei betonte er, dass die Schweizer gemäss den Richtwerten ihren durchschnittlichen Energieverbrauch pro Person gegenüber dem Stand von 2000 bis 2020 um -16% und bis 2035 um -43% zu senken hätten. Der durchschnittliche Stromverbrauch pro Person sollte bis 2020 um -3% und bis 2035 um -13% sinken.

Bei den Erneuerbaren soll die durchschnittliche inländische Produktion (ohne Wasserkraft) in diesem Jahr 4400 GWh und im Jahr 2035 11 400 GWh betragen. Bei der Wasserkraft wären das
37 400 GWh im Jahr 2035. Bei den Klimazielen werden Netto-Null Emissionen angestrebt; das bedeutet gemäss den Reduktionszielen des Bundesrats:

  • Bis 2050 soll die Schweiz nicht mehr Treibhausgase (THG) ausstossen, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können.
  • Damit entspräche die Schweiz dem international vereinbarten Ziel, die globale Klimaerwärmung auf maximal 1,5 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.
  • Bis 2030 soll die Schweiz die THG-Emissionen gegenüber 1990 halbieren.
  • Dies hat zu mindestens 60 Prozent durch Massnahmen im Inland zu geschehen.

Gebäudebereich: es braucht jetzt Massnahmen

Bei den Gebäuden ortete der UVEK-Vertreter als grösste Herausforderungen:

  • Sanierungsrate der Hülle knapp über 1%;
  • Heizungen werden nur alle 20 Jahre ersetzt;
  • über 50% der Gebäudebesitzer prüfen beim Heizungsersatz keine Alternativen zur bisherigen fossilen Heizung;
  • derzeit gibt es in der Schweiz noch rund 900 000 fossile Heizungen.

«Das Netto-Null-Ziel braucht jetzt Massnahmen», verlangte Bisang. Bezüglich Grenzwerte für Gebäude gemäss CO2-Gesetz gelte: Die Kantone sorgen für Verminderung der CO2-Emissionen aus Gebäuden bis 2026/27 gegenüber 1990 um mindestens 50%. Und ab 2023 gelten folgende CO2-Grenzwerte, die für Altbauten alle 5 Jahre um 5 kg sinken:

  • 20 kg CO2/m2 für Altbauten;
  • 0 kg CO2/m2 für Neubauten.

Zusätzlich sollen die Abgaben auf Brennstoffe gemäss Revision des CO2-Gesetzes von heute 96 auf maximal 210 Franken pro Tonne CO2 steigen. Bisang machte auf die Möglichkeit aufmerksam, dass wer nicht saniert oder weiterhin auf eine Öl- bzw. Gasheizung setzt, in Zukunft eine Wertminderung seiner Immobilie erfahren könnte.

Energiehaushalte und -systeme im Warmwasser-Forum

Im Warmwasserforum, das von Roger Neukom, Neukom Engineering, moderiert wurde, lag der Fokus auf der Wasserversorgung mit Trinkwasser in einwandfreier Qualität. Prof. Reto von Euw, Institut für Gebäudetechnik und Energie, Hochschule Luzern – Technik & Architektur, zeigte die Herausforderungen im Warmwasser-Zirkulationskreis. Er veranschaulichte exemplarisch, wie warmgehaltene Leitungen die Ausstosszeiten verkürzen und den Wasserverbrauch sowie die Wärmeverluste verringern. Anhand der Energiebilanz eines 6-Familienhauses machte von Euw klar, dass RaR (Zirkulationssystem Rohr an Rohr) und Warmhalteband am energieeffizientesten sind, es aber trotzdem geringe unterschiedliche Wärmeverluste QW,ls sind. Beim Warmhalteband ist festzustellen, dass 1/3 von QW,ls als Wärme und 2/3 von QW,ls als elektrisch gelten. Der Professor legte den Fokus auch auf die richtige Wärmedämmung von Warmwasserverteilungen bzw. worauf dabei besonders zu achten ist (durchgehende Wärmedämmung, auch alle Armaturen, Unterbinden von Luftströmungen).

Reto von Euw erinnerte zum Schluss daran, dass Wärmeverluste der Warmwasserversorgung zwischen 30 bis 40% von QW,gen,out  (Energiebedarf Warmwasser) bzw. durch warmgehaltene Leitungen ungefähr 20% von QW,gen,out ausmachten. Und: «Der hydraulische Abgleich ist notwendig, die Voreinstellungen müssen in Planunterlagen vermerkt sein, und der Druckverlust im Zirkulations-Kreis (exkl. Zirkulationsventil) sollte gering sein.»

Warmhaltebänder als Herausforderung

Roni Hess, Geschäftsleitung, Enerconom AG, sprach zu den Herausforderungen beim Warmhalteband. Er verwies auf die Normen und Vorschriften, Temperaturwahl und die richtige Auswahl der Bänder. Bei der Dämmung ist darauf zu achten, dass Kaminzug nicht für zu grosse Energieverluste sorgt. Auch die richtige Steuerung ist entscheidend, damit der Stromverbrauch möglichst reduziert werden kann.

Laut Hess handelt es sich bei WHB um ein flexibles und platzsparendes System, es ist direkt bis zur Entnahmestelle verlegbar, weist einen geringen Planungsaufwand mit geringer Fehleranfälligkeit bei der Auslegung und geringe Investitionskosten auf. «Es handelt sich um ein hygienisches System ohne Bereitstellungsverluste und Störung der Speicherschichtung mit minimaler Leistungsaufnahme, und verursacht kaum Wartungskosten» sagte Hess. «Zu beachten bleibt die hohe Empfindlichkeit gegenüber der Dämmqualität sowie die elektrische Energie.»

Hinweis: Der vollständige Beitrag erscheint in den April-Ausgaben der Fachzeitschriften der CH Regionalmedien AG.

 

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