Vorsorgereform: Neuer Ansatz vorgestellt


Jérôme Cosandey

An der derzeit stattfindenden 17. Jahrestagung für die Versicherungswirtschaft, dem «Insurance Forum», dreht sich ein Themenblock um den Reformstau der Vorsorge.

Der Handlungsbedarf für Versicherer und Politik ist zwar erkannt, doch mit der Umsetzung hapert es. Jérôme Cosandey (Bild), Forschungsleiter Sozialpolitik beim Thinktank Avenir Suisse, zeigte einen Ansatz auf, um die Akzeptanz von Vorsorgereformen in breiteren Bevölkerungskreisen zu fördern. Die Argumentation müsse von der akademisch-technischen Ebene auf die emotionale Ebene verschoben werden. Das Problem: Bisher standen vor allem die Probleme der Branche im Vordergrund mit Argumenten wie «die längere Lebenserwartung bedingt eine Anpassung der Renten» oder «aufgrund der tiefen Inflation sind die Umwandlungssätze zu hoch». Das stimme zwar, interessiere jedoch viele Leute schlichtweg nicht. Cosandey schlägt deshalb einen «neuen Diskurs» vor rund um die folgenden, breit akzeptierten Grundprinzipien:

  • Die Rentenleistungen müssen erhalten bleiben. Dank besserer gesundheitlicher Verfassung älterer Arbeitnehmer und ihrer stark wachsenden Beteiligung am Arbeitsmarkt ist die AHV-Finanzierung jedoch neu zu definieren.
  • In der 2. Säule kann die Solidarität zwischen den Generationen gestärkt werden, indem Aktive und Rentner bei der Verzinsung der Altersguthaben gleich behandelt werden.
  • Eine Anpassung des Umwandlungssatzes für Neurentner bedarf des Versprechens einer variablen Zusatzrente, gewissermassen eines 13. Monatslohnes, mit dem sie später an einer positiven Entwicklung der Kapitalmärkte teilhaben. (rü)