InsurTechs: Die Stunde der Investoren


Dr. Carsten Maschmeyer

Er ist mit seiner Maschmeyer Group an rund 80 Start-ups beteiligt, die ältesten sind seit acht Jahren in seinem Portfolio – und er sieht bei InsurTechs noch viel Potenzial: Carsten Maschmeyer (Bild), Gründer und Chef der damaligen AWD-Versicherungsvertriebsgesellschaft.

An der 17. Jahrestagung für die Versicherungswirtschaft, dem «Insurance Forum», gab der Investor Einblick in seine Prioritätenliste. In InsurTechs, die sich rein auf die Kundengewinnung oder den Vergleich von Produkten konzentrieren, würde er nicht mehr investieren: «Dieser Zug ist abgefahren, da sind zu viele Wettbewerber auf dem Markt.» Potenzial sieht er hingegen im Bereich der Dunkelverarbeitung, beispielsweise beim Claims Management, den Schadenmeldungen via Fotos, Adressänderungen, also bei administrativen Aufgaben, deren Ablauf sich vereinfacht lässt. «Da lässt sich noch viel Geld sparen», so der Experte.
An die ganz grosse Revolution, mit der InsurTechs Versicherungsgesellschaften überflüssig machen wollen, glaubt Maschmeyer allerdings nicht. Er sieht vielmehr kleinere Evolutionsschritte innerhalb der Wertschöpfungskette, die es zu nutzen gilt. Kaum überraschend bricht er eine Lanze für Finanzinvestoren, die als Ankeraktionäre von InsurTechs oft besser geeignet seien als klassische Versicherer, bei denen der Verkauf eigener Produkte im Vordergrund stehen könnte, was InsurTechs in ihrer Bewegungsfreiheit einengt. Jan Ellerbrock, Chief Technology Officer bei der Vaudoise, kann solche Befürchtungen durchaus nachvollziehen: «Wenn ein Wettbewerber die Mehrheit an einem InsurTech hält, sinkt das Interesse, sich ebenfalls zu beteiligen.»

Die Start-ups müssen sich also gut überlegen, welche Investoren sie an Bord holen wollen. Lapidar dazu der Kommentar von Carsten Maschmeyer: «No investment, no future!» (rü)