Im Interview mit Nadine Gruber, CFO ad interim, Head of Division Controlling and Finance Excellence, GF Piping Systems (GFPS)


Nadine Gruber

1. Was ist Design Thinking genau?
Design Thinking steht für einen kundenorientierten Lösungsansatz, dessen Grundpfeiler die Zusammenarbeit interdisziplinärer Teams zur Schaffung herausragender Innovationen ist. Übergeordnetes Ziel ist die Lösung von spezifischen Kundenproblemen. Der Prozess gliedert sich in drei Phasen: „Inspire“ – „Ideation“ – „Prototyping“. Zuerst geht es darum, die Probleme des Kunden zu beobachten und zu verstehen.
In der „Ideation“ werden basierend auf den Erkenntnissen der ersten Phase, mögliche Lösungen erarbeitet. Wichtig ist hierbei die Haltung „Thinking out of the Box“. Zum Schluss folgt das „Prototyping“ um die Lösung mit dem Kunden zu testen und basierend auf dem Feedback weiter zu verbessern. Die Phasen sollten direkt aneinandergekoppelt sein, um die schnelle Umsetzung zu garantieren.

2. Wie ist es bei GF Piping Systems dazu gekommen, dass der Ansatz Einsatz in der Finanzabteilung findet?
Design Thinking ist eine konzernweite Initiative, die auf die erfolgreiche Umsetzung der Unternehmensstrategie „Strategie 2020“ einzahlt. Dabei setzen wir auf die Beschleunigung unserer Innovationsfähigkeit, um für unseren Kunden einen echten Mehrwert zu bieten. Um den grössten Impact zu haben, muss Design Thinking in der DNA des Unternehmens verankert sein. So auch in der Finanzabteilung. Dementsprechend umfasst unser Arbeitsverständnis nicht nur die klassischen Tätigkeiten wie die Erstellung der Monatsabschlüsse oder die Aufbereitung von Informationen, sondern es geht auch darum, den Erfolg des Unternehmens durch die Optimierung interner Prozesse voranzutreiben. Dass der Kundennutzen nicht immer offensichtlich ist, stellt oftmals die grösste Herausforderung dar. Gerade bei Projekten, welche im Zusammenhang mit IT stehen, wird die Komplexität häufig unterschätzt. Und genau hier setzt Design Thinking an: „Fail soon to succeed faster“ – diese Grundhaltung des Design Thinking Ansatzes ist für administrative Bereiche sehr erfolgversprechend!

3. Für welche Projekte und Zielsetzungen nutzen Sie ihn?
In den letzten Monaten wurde der Ansatz für zwei Projekte angewandt: Das erste fokussierte sich auf das globale Investitionsreporting. Dabei greift bereits der Begriff Investitionsreporting zu kurz: Durch die Betrachtung der Bedürfnisse unserer internen Kunden wie F&E, Controlling, Produktmanagement oder CFO’s wurde klar, dass die bisherige Lösung – ein standardisiertes Reporting Tool, welches monatlich bzw. quartalsweise den Stand der Investitionen zeigt – kaum einen Wertbeitrag leistet. Eine echte Optimierung würde ein integrierter Ansatz darstellen, welcher von dem Start eines Projektes bis zur finalen Abrechnung eine Plattform für alle Beteiligten bietet. Das zweite Projekt fokussierte sich auf das Verständnis und die Weiterentwicklung der Finanzabteilung von GFPS. Ziel war es, einen globalen „Best practice“ Standard zu implementieren, um die Finanzorganisation auf den maximal möglichen „Value Add“ auszurichten. Dies spielt eine wichtige Rolle als Vorbereitung für die kommende Digitalisierung in diesem Bereich.

4. Was sind bisher wichtige Erkenntnisse, die Sie aus den Projekterfahrungen zum Potential von Design Thinking in der Finanzabteilung mitnehmen?
Für mich sind das drei Dinge.
Design Thinking ist definitiv ein „Eye-opener“. Ich habe bisher noch kein Projekt erlebt, bei dem es nicht diesen „AHA-Effekt“ gab. Dies ist ein Schlüsselmoment und legt den Grundstein für das folgende Brainstorming und Prototyping. Des Weiteren ist es wichtig, einen Fokus auf die Zusammensetzung der Projektmitglieder zu achten. Den grössten Erfolg haben Projekte, welche aus Cross-funktionalen Teams bestehen. Unterschiedliche Denkweisen erleichtern die Ideenfindung. Ausserdem fällt es den internen Kunden oft leichter, sich „neutralen Personen“ aus einer anderen Abteilung zu öffnen. Zu guter Letzt liegt für mich der Erfolg von Design Thinking in der Geschwindigkeit der Umsetzung. Durch den iterativen Ansatz des Testens werden Lösungen schnell auf den Punkt gebracht und das Risiko, dass komplizierte Projektorganisationen an den Bedürfnissen vorbeiarbeiten, kann erheblich minimiert werden.