Die Welt in 2025 – Ein Blick in die Zukunft mit Torsten Rehder


Die Welt in 2025 – Ein Blick in die Zukunft mit Torsten Rehder

Wenn man gefragt wird, wie die Welt in zehn Jahren aussieht, fangen viele an zu fantasieren, dabei ist einiges schon heute erlebbar, was in zehn Jahren zum Gamechanger geworden ist. Trendforscher wie Torsten Rehder von TRENDONE gehen jeden Tag auf die Suche nach Innovationen, die die Welt verändern werden. Im Vorfeld des 2. Schweizer Strategietag Industrie 4.0, bei dem Rehder als Referent dabei ist, stand er uns zu den Themen Zukunftsvisionen und Innovationsforschung zur Verfügung.

Sie sind Director Innovation, Services und Trend Supervisor bei der TRENDONE GmbH – Wie halten Sie sich über aktuelle und zukünftige Trends auf dem Laufenden?

Wenn man sich mit Trends beschäftigt, geht es darum, Wandelphänomene in der Gesellschaft zu beobachten und erste Anzeichen für diese so früh wie möglich mitzubekommen. Das ist eigentlich gar kein Hexenwerk, denn in erster Linie verfolgen wir bei Trendone, wie viele andere Menschen auch, die gängigen Leitmedien on- und offline. Beispiele dazu sind Die Zeit, Spiegel, Neon, aber vor allem auch Fachpublikationen im Technologie- und Lifestylebereich oder auch Livestreams von Fachveranstaltungen und Konferenzen. Jeder Kollege hat zudem auch seine Lieblingsblogs, die er regelmäßig scannt. So entsteht ein breitgefächertes Portfolio an Quellen für Anzeichen neuer Trendentwicklungen. Es geht beim Trendscouting aber eben hauptsächlich um den Modus, in dem man die Medien scannt – wir suchen gezielt nach ersten schwachen Signalen, die auf Veränderungen, einen Wandel hindeuten. Wir schauen auch, wann welche Themen in welcher Facette es von den Fachpublikationen in die großen Leitmedien schaffen.

Zusätzlich beschäftigen wir weltweit 80 Trendscouts, die sich tagtäglich informieren und neue, oft zunächst auch irritierende, Themen melden. Irritation ist dabei sehr wichtig, da hier etwas vom Bekannten abweicht: Da ist etwas neu, da macht jemand etwas anders. Die Frage, die wir uns dann stellen sollten, ist: Warum irritiert es mich? Was ist hier anders als gewohnt? So stößt man auf neue interessante Anzeichen des Wandels.

Auf welche Innovation der letzten Jahre möchten Sie heute nicht mehr verzichten?

Auf Services, die wir täglich nutzen und die uns das Leben einfacher gemacht haben. Zum Beispiel die Google Produktwelt inklusive Google Maps und, vor allem YouTube als Suchmaschine für Wissen und Touchpoint für Bewegtbild. Oder auch Whatsapp zum Kommunizieren in Echtzeit. Außerdem Amazon, das unendliche Warenhaus, und Apps zur Reiseplanung und -abrechnung.

Sie sprechen auf dem Schweizer Strategietag Industrie 4.0 über das Thema „The World in 2025“ – Wie wird die Welt in 9 Jahren aussehen?

Wenn man sagt „Stell dir mal die Welt in neun oder zehn Jahren vor.“, dann können viele Leute das nicht, weil sie denken es sei noch so lange hin. Sie fangen an zu fantasieren darüber, wie wir uns in der Zukunft Essen per 3D-Druck ausdrucken. Obwohl selbst das heute schon möglich ist (Beispiel: der 3D Food Printer Foodini). Dabei muss man eigentlich nur mal den Gegentest machen und überlegen, wie die Welt vor zehn Jahren ausgesehen hat.
2006 gab es noch kein iPhone, das kam erst 2007. Es gab auch noch kein Whatsapp, das kam erst 2009. Bei beidem handelt es sich aber um Entwicklungen, die echte Gamechanger waren. Die ganze Welt der Apps hat sich seit 2006 stark weiterentwickelt und zeigt, dass so viel passieren kann. In zehn Jahren kann sich die Welt in gewissen Bereichen sehr stark ändern. Aber man sollte bei Zukunftsprognosen für die nächsten 5-10 Jahre trotzdem eher die Kirche im Dorf lassen, statt sich eine Welt wie in einem Science-Fiction-Film vorzustellen.
In 2025 wird aber mit Sicherheit das Thema Künstliche Intelligenz ganz groß sein, denn man sieht es ja heute schon in immer mehr Services und Produkte hineinwandern. Im Bereich Roboter und Autonomes Fahren wird sich in den nächsten zehn Jahren einiges tun. Es wird nichts Exotisches mehr sein, wenn Autos auf der Autobahn autonom fahren.
Auch im Bereich Kommunikation wird es spannende Entwicklungen geben, Stichwort Chatbots. Jeder Zweite in Deutschland redet heute bereits mit seinem Smartphone und nutzt digitale Assistenten. Diese Entwicklung wächst nicht linear, sondern exponentiell, so dass wir davon ausgehen können, dass das Niveau von Künstlicher Intelligenz immens steigen wird. Chatbots werden im Kundenservice eingesetzt, Echtzeit-Übersetzungen z.B. in Video-Chats werden in 2025 ein Standard sein. Es wird zudem erste Online-Anwendungen geben, bei denen Smart Contracts ohne Broker zwischen den beteiligten Parteien funktionieren.
Im Finanz- und Gesundheitswesen wird Blockchain die Basis für Zahlungsvorgänge und für die Speicherung von Gesundheitsdaten sein. Auch das Digital- Rights- Management wird blockchain-gestützt sein, vor allem im Bereich Musik und Film.

In welcher Branche sehen Sie das größte Innovationspotenzial für die Zukunft und welche sind die wichtigsten Trends der nächsten 5-10 Jahre?

Blockchain haben viele Unternehmen noch gar nicht auf der Agenda, das wird aber dann 2017 passieren.
Der Trend Mixed Reality ist an einem Punkt angekommen, bei dem man von der Unterhaltungsbranche auch in die Industrie übergeht. Virtual und Augmented Reality Brillen werden in den nächsten Jahren den Bereich Maintenance für Maschinen vorantreiben, die Fernwartung erleichtern und Stillstandszeiten von Maschinen verkürzen.
Ein weiterer Wandel geschieht in der Warenwirtschaft und Lagerhaltung, wo prädiktive Systeme durch den Einsatz von Prognose-Algorithmen die optimale Anzahl an Waren errechnen, so dass das Lager nie zu voll oder zu leer ist. Amazon wird uns Bücher zuschicken, noch bevor wir diese bestellt haben. Weil sie uns ganz genau kennen und vorausahnen können, was wir in den nächsten Tagen bestellen würden.

Für welchen Trend würden Sie sich besonders wünschen, dass er sich bis 2025 durchsetzt, weiterentwickelt und etabliert?

Ich persönlich hoffe auf das Thema eMobility, gerne in Kombination mit dem Autonomen Fahren. Der Aufstieg dieses Trends muss weitergehen, damit die Städte endlich stau- und vor allem abgasfrei werden. Die Lebensqualität in den Städten und Metropolen dieser Welt zu erhöhen bzw. hoch zu halten, ist die größte infrastrukturelle Aufgabe der nächsten 10 Jahre.

Der Schweizer Strategietag Industrie 4.0 findet in 2017 unter dem Leitsatz „Disruptive Geschäftsmodelle und neue Märkte“ statt. Welche neuen Märkte sollten Industrieunternehmen besonders im Auge behalten?

Jede Firma, unabhängig vom Markt, den sie bedient, kann einen digitalen Entscheidungsbaum erstellen. Die wichtigsten drei Fragen dabei sind:
1. Welcher Service, den ich am Markt biete, kann digitalisiert werden?
2. Welche Schritte lasse ich mir bezahlen?
3. Wie könnte das durch Einsatz neuer Technologien auch anders gelöst werden?
Ein Beispiel: Lasten von A nach B zu bewegen, das geht nicht digital. Jedoch kann man Teilfunktionen dieses Vorgangs digitalisieren, beispielsweise indem man eine Plattform für Drohnen aufbaut, quasi ein Uber für Drohnen. Spannend wäre dabei auch die Frage, welche physischen Lasten es in Zukunft überhaupt noch zu transportieren gilt. CDs oder DVDs sind z.B. durch Streamingdienste wie Spotify oder Netflix so gut wie abgeschafft.

Ein gutes Beispiel ist auch die Verpackungsindustrie: Die Firma SIG verkauft ihre Verpackungsmaschinen nur noch ungern, sondern stellt sie dem Kunden kostenfrei zur Verfügung. Abgerechnet wird pro verpackter Einheit – ganz nach dem Motto „Der Kunde muss die Maschine nicht besitzen, er benötigt nur den Zugang dazu.“

Ausschlaggebend ist es also, Einzelelemente des eigenen Geschäftsmodells oder der Wertschöpfungskette auf Disruptionsfähigkeit zu prüfen und sich einen Überblick über aktuelle und zukünftige Technologien zu verschaffen. So eröffnen sich neue Möglichkeitsräume und neue Märkte quasi ganz von alleine. Man muss dabei jedoch uneingeschränkt bereit sein, auch Grundsätzliches in Frage zu stellen.


RehderErleben Sie Torsten Rehder als Referent der Live-Demonstration „The World in 2025 – Technologie als permanenter Innovationstreiber“ beim Schweizer Strategietag Industrie 4.0 am 12. Januar 2017 in Zürich. Erfahren Sie, was die Technologien und Schlüsseltrends der Zukunft sind und welche Chancen sich daraus für Unternehmen ergeben können.

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