Leben in hybriden Welten – Interview mit David Bosshart [Gottlieb Duttweiler Institut]


David Bosshart, GDI

Das Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon ist zugleich Trendforschungsinstitut, Think Tank und die älteste Denkfabrik der Schweiz. Zudem dient es auch als Event Location für den Schweizer Strategietag Industrie 4.0. Dies sind nur zwei der vielen guten Gründe, CEO David Bosshart im Interview über die Digitalisierung in der Schweiz zu befragen.

Was schiesst Ihnen als erstes durch den Kopf, wenn Sie den Begriff Industrie 4.0 hören?

David Bosshart: Dass man in einer hypervernetzten und desintermediierten Welt nicht mehr wirklich trennscharf unterscheiden kann zwischen Industrie 4.0, additive manufacturing und IoT, e.commerce und Fintec, Bildung 4.0 und Social Media. Wir leben in hybriden Welten, in denen niemand weiss, was genau in 20 oder nur schon in fünf Jahren sein wird. Das erfordert als Basis für den Wandel viel mehr als bloss einige Programme und technische Applikationen: eine Haltung, wie man führen, organisieren und noch mehr ein Unternehmen strategisch ausrichten wird. Es genügt nicht mehr MINT-Berufe zu fördern, auch wenn das natürlich richtig ist. Ohne die Haltung zum Wandel passiert aber gar nichts.

Wie würden Sie die Begriffe Mensch, Unternehmenskultur und Digitalisierung miteinander vernetzen?

David Bosshart: Die waren immer schon vernetzt, wir haben sie industriell einfach fein säuberlich in Kästchen getrennt. Es gibt nicht hier ein Gerät und dort einen Menschen – ein Smartgerät ist eine Extension meines Körpers und meiner intellektuellen Fähigkeiten. Es verstärkt nur meine positiven und leider auch meine negativen Eigenschaften. Und Kultur steht sowieso viel weniger zur Disposition als wir annehmen. Aber wenn ich meine Stärken und Schwächen besser kenne, kann ich auch besser abschätzen, welches Tempo des Wandels möglich ist.

Wie würden Sie persönlich sich die zukünftige digitale Entwicklung der Schweizer Wirtschaft wünschen?

David Bosshart: Wir brauchen die besten Infrastrukturen, auch virtuell, nicht nur physisch, denn ohne die geht gar nichts. Denn das Datenvolumen nimmt aufseiten Unternehmen – vor allem auch mit Industrie 4.0 – in viel grösserem Umfange zu als bislang. Dann braucht es kontinuierliche Erfolge bei den besten Schulen und Unis. Ausserdem attraktive Startup-Szenen und KMUs, denn das steigert auch die Chance, dass interessante Grossunternehmen sich ansiedeln – wie bei Google gesehen. Das wiederum kann die bereits erwähnte Haltung dem Wandel gebenüber positiv beeinflussen.

Welche Lösungen sind in fünf Jahren von der Schweizer Industrie und ihren Produktionsbetrieben auf dem Weltmarkt gefragt?

David Bosshart: Das Ökosystem entwickelt sich immer weiter. Wir werden in der Schweiz nicht die neuen Grosskonzerne der Welt gründen, aber wir können wie bis anhin und noch verstärkt Top-Nischen besetzen, qualitativ hochwertige Zulieferprodukte und -dienstleistungen anbieten und so auch sehr gut überleben, ohne im Fokus der Grossen zu stehen.

Erleben Sie David Bosshart live als Referent zum Thema „Digitale Wirtschaft und die Rolle der Menschen“ beim Schweizer Strategietag Industrie 4.0 am 11. Januar 2018 in Rüschlikon.

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