Die Digitalisierung kommt nicht über Nacht – Interview mit Dr. Dirk Kammermeier [Fraisa Gruppe]


Dr. Dirk Kammermeier, Fraisa Gruppe

Die Auswirkungen einer zunehmend digitalisierten und automatisierten Wirtschaft auf den Arbeitsmarkt werden zurzeit breit diskutiert. Maschinen sollen zukünftig Millionen unserer Jobs übernehmen. Wie involvieren Sie bei der Fraisa Gruppe die Mitarbeiter zu diesen Themen?

Dr. Dirk Kammermeier: Die Digitalisierung kommt nicht über Nacht. Die Fraisa informiert ihre Mitarbeiter ganz offen und transparent über die Geschäftslage und die geplanten Veränderungen. Alle relevanten Kennzahlen können auf großen Monitoren, die z.B. in der Produktion hängen, eingesehen werden. Automationsprojekte oder Verlagerungen werden weit im Vorfeld mit den betroffenen Mitarbeitern diskutiert, um die Mitarbeiter auf die Veränderung vorzubereiten und sie zu begleiten. Solche Projekte brauchen Vorlaufzeiten von bis zu drei Jahren, um Umschulungs- und Weiterbildungsmassnahmen erfolgreich abzuschliessen.

Mit welchen Massnahmen und Projekten stellen Sie sicher, dass einzelne Mitarbeiter auf der bevorstehenden Reise nicht verloren gehen und die Digitalisierung des Unternehmens aktiv mitgestalten?

Dr. Dirk Kammermeier: Jeder Mensch hat seine persönlichen Einschätzungen aber auch Ängste, wenn es um Veränderungen geht. Wichtig ist, auf das Individuum einzugehen. Nur durch eine persönliche Betreuung kann der Mitarbeiter intrinsisch motiviert werden, den anspruchsvollen Weg einer Weiterbildung oder Umschulung auf sich zu nehmen. Die Fraisa bindet hierbei nicht nur die Fachvorgesetzten sondern auch ganz intensiv die Personalabteilung mit in den Prozess ein. In der Fraisa wird durch abgestimmte Förderprogramme, die Zeitkonten aber auch finanzielle Zuschüsse beinhalten, darauf geachtet, dass durch Weiterbildungsprogramme keine finanziellen Nachteile entstehen.

Welche Empfehlungen können Sie Produktionsbetrieben für den Einbezug der Mitarbeiter in den Digitalisierungsprozess mit auf den Weg geben?

Dr. Dirk Kammermeier: Durch die Digitalisierung können Prozessabläufe deutlich günstiger gestaltet werden, was eine riesige Chance ist Produktionsstätten auch in Hochlohnländern aufrecht zu erhalten und damit Arbeitsplätze zu sichern. Diese positive Message muss zu den Mitarbeitern transferiert werden.
Im nächsten Schritt muss den Mitarbeitern vermittelt werden, dass Veränderungen etwas Positives ist. Durch Weiterbildungsmassnahmen kann der eigene Marktwert gesteigert werden. Das steigert das Selbstwertgefühl und gibt die Freiheit dort zu arbeiten, wo man gerne arbeiten will.
Der letzte und wichtigste Schritt ist der, dass ihm vermittelt wird, dass er als Individuum für die Firma wichtig ist. Durch die intensive Unterstützung von Weiterbildungsmassnahmen würdigt die Firma die Leistungen der Mitarbeiter. Engagierte und motivierte Mitarbeiter, die offen für Veränderungen sind, qualitativ hochwertige Arbeit leisten und unglaublich loyal dem Arbeitgeber gegenüberstehen, sind der Lohn für den Arbeitgeber.

Erleben Sie Dr. Dirk Kammermeier live als Referent zum Thema „Mitarbeiterverantwortung 4.0“ beim Schweizer Strategietag Industrie 4.0 am 11. Januar 2018 in Rüschlikon.

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