Warmwasser-Versorgung aus Sicht des Planers – Interview mit Jürg Nipkow [SIA-Kommission 385 Warmwasser]


Jürg Nipkow, SIA-Kommission 385 Warmwasser

Jürg Nipkow, dipl. El. Ing. ETH/SIA ist Präsident der SIA-Kommission 385 Warmwasser und Energieexperte bei S.A.F.E. Im Interview spricht er über die veränderten Anforderungen für Planer durch die SIA 385 Normen. Diesen Einblick vertieft er als Referent beim Warmwasser-Forum im Rahmen des Schweizer Planertag 2018.

Warum ist das Thema Warmwasser-Versorgung so wichtig für den Planer geworden?

Jürg Nipkow: Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Bei neuen oder energetisch erneuerten Bauten macht der Energiebedarf für Warmwasser einen viel grösseren Teil des Energie- bzw. Wärmebedarfs des Gebäudes aus als früher bei schlecht wärmegedämmten Bauten.
  • Es sind neue Techniken für die Nutzung erneuerbarer Energien gerade für Warmwasser verfügbar (Sonnenkollektoren, Wärmepumpen).
  • Die SIA 385 Normen machen Anforderungen und Empfehlungen für effiziente Warmwasserversorgungen sowie auch für die Hygiene (Legionellenprävention).

Das Gebäude und der Nutzer im Wandel – Welche Anforderungen entstehen bei der richtigen Planung hygienischer und effizienter Warmwasserversorgung?

Jürg Nipkow: Hygiene: im Fokus ist die Legionellenprävention, welche gerade auch beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV mit den entsprechenden Modulen neu definiert wird (Konsultation dazu läuft bis Ende Jan. 2018). Auch die Revision der SIA 385/1 bringt präzisere Anforderungen zur Legionellenprävention (noch nicht in Kraft). Grundsätzlich gelten nach wie vor die zu gewährleistenden Temperaturen: 60°C am Speicher- bzw. Wärmeübertrager-Austritt, 55°C in warmgehaltenen Verteilungen, 50°C an den Entnahmestellen. Für Gebäude mit geringer Risikostufe gibt es Erleichterungen.
Effizienz: Ein Gesamt-Nutzungsgrad der Warmwasserversorgung (ohne Wärmeerzeugung) von 66% ist schon recht gut, die meisten bestehenden Anlagen sind schlechter. Wichtig ist die gute und lückenlose Wärmedämmung aller warmgehaltenen Teile. Hierzu macht die Norm SIA 385/1 präzise Vorgaben: zulässige Verluste von Speichern, Dämmdicken von Leitungs-Wärmedämmungen, Siphonierung von Abgängen. Eine Messgrösse für den Gesamt-Nutzungsgrad ist die Verlustzahl, deren Berechnung in SIA 385/2 erläutert ist. Wichtig ist auch die Auslegung der Anlagen (keine Überdimensionierung!), welche in SIA 385/2 behandelt wird.

Wie können die klaren Anforderungen an die Energieeffizienz und Ausstosszeit mit den SIA Normen in die Praxis umgesetzt werden?

Jürg Nipkow: Indem nach den Normen (SIA 385/1 und 385/2) geplant und ausgeführt wird! Dafür muss man die Normen natürlich kennen und die entsprechenden Details auch kontrollieren. Es ist z.B. auch Aufgabe der Planung, allfällige „Unternehmer-Varianten“ diesbezüglich zu prüfen.

Wie kann durch eine enge Zusammenarbeit von Architekt und Sanitärplaner erreicht werden, dass ungünstige Raumdispositionen rasch erkannt und angepasst werden?

Jürg Nipkow: Zusammenarbeit bedeutet hier vor allem frühzeitige Kommunikation! Wenn der Sanitärplaner fertige Grundrisse erhält und nichts mehr zum Konzept sagen kann, ist schon ein wichtiges Optimierungspotenzial vergeben. Wenn aufgrund der Raumdisposition zusätzliche Steigstränge installiert werden müssen, bedeutet das nicht nur mehr Verluste, sondern auch teuren baulichen Aufwand. Sitzen Planer und Architekt früh zusammen, können besser gute Lösungen gefunden werden. Selbstverständlich ist auch für die Planung der Wärmeversorgung (für Warmwasser) eine frühe Zusammenarbeit nützlich, z.B. wenn es um Sonnenkollektoranlagen geht.

Erleben Sie Jürg Nipkow live als Referent beim 13. Schweizer Planertag am 5. März 2018 in Brugg.

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