Im Kampf gegen Legionellen – Interview mit Philipp Zulian [Oventrop (Schweiz) GmbH]


Philipp Zulian, Oventrop

Philipp Zulian ist Leiter Technik bei der Oventrop (Schweiz) GmbH und wird als Referent beim Schweizer Warmwasserforum über Praxisbeispiele von Frischwarmwasserstationen sprechen. Im Vorfeld der Veranstaltung stand er uns für ein Interview zur Verfügung und spricht darin über das neue öffentliche Bewusstsein einer guten Warmwasserversorgung, der Vorbeugung von Legionellen-Erkrankungen und den daraus resultierenden Maßnahmen für die Bauplanung.

Warum ist das Thema Warmwasserversorgung so wichtig für den Planer geworden?

Dieses Thema macht mittlerweile auch in der Presse die Runde, da laut Statistiken des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sich immer mehr Menschen mit der Legionellenkrankheit infizieren und dies anscheinend nur die Spitze des Eisbergs ist. Bei wie vielen Menschen die Legionärskrankheit effektiv von den sanitären Anlagen stammt, ist laut meines Wissens noch nicht erwiesen, jedoch ist es klar, dass sich Planer auch immer mehr dieser Problematik bewusst sind und entsprechend handeln, nicht nur der Reputation wegen. In Zukunft wird das Warmwasservolumen resp. der Trinkwasserinhalt der Anlage zentral sein. Je mehr Trinkwasserinhalt eingeplant wird, umso riskanter wird die Installation. Die Zeiten, in denen ein Planer sorglos einen Wassererwärmer hinstellen und mit Warmwasser von maximal 55°C betreiben kann, gehören bei gewissen Liegenschaften der Vergangenheit an, den dies zieht etliche Risiken nach sich, auch wenn 1x in der Woche das Warmwasser auf 60°C aufgeheizt wird. Stagnierendes Wasser zwischen 25 und 55°C birgt etliche Risiken, dies sollte mittlerweile jedem Planer bewusst sein. Die Warmwasserverteilung im Sternsystem, sprich unser alt bewährter PEX-Verteiler mit Pex-Leitungen, wird in Zukunft auch nicht mehr flächendeckend anwendbar sein, da vor allem die letzten Meter nicht ganz risikofrei sind. Vor allem selten benutzte Versorgungsleitungen zu den Zapfstellen z.B. WC/Du Gäste bieten unbegrenztes Potenzial für Biofilm und Legionellenwachstum. Zudem sind Pex Leitungen bedeutend anfälliger auf diese als Edelstahl oder Kupferleitungen.

Das Gebäude und der Nutzer im Wandel – Welche Anforderungen entstehen bei der richtigen Planung hygienischer und effizienter Warmwasserversorgung?

Damit heutzutage eine richtige Planung durchgeführt werden kann, ist das Zusammenspiel von Architekt und Planer wichtiger denn je. Zapfstellen, sprich Nasszellen, sollten so nah wie möglich beieinander liegen, damit auch möglichst kurze Anbindungsleitungen geplant werden. Sind Wohnungsstationen eingeplant, um ein möglichst kleines Warmwasservolumen zu erreichen, ist die Wohnungsstation nahe, am besten in den Nasszellen, zu planen, damit auch die Ausstosszeiten gewährleistet werden können. Druckschwankungen resp. Temperaturschwankungen können mit Thermomischern aufgefangen werden. Diese bieten das beste Dusch- resp. Baderlebnis. Falls eine Spülstation vorgesehen wird, um eine längere Stagnation zu vermeiden, sind die Leitungen durchgeschliffen zu planen. Nur so können die letzten Meter der Installation korrekt durchgespült werden. Am besten geht dies mittels einer Vorwandinstallation, damit auch die Spülstation Platz findet. Es ist utopisch zu meinen, dass der Mieter oder Besitzer der Liegenschaft in regelmässigen Abständen den Leitungsinhalt spült und eventuell dabei noch eine Atemmaske anzieht, um sich damit nicht zu infizieren. Aus diesem Grunde gibt es schon automatische Spülstationen. Durch diese Bemühungen hygienisch einwandfreies Wasser zu gewährleisten, erhöht sich folglich auch die Investition gegenüber einer konventionellen Trinkwasserinstallation. Dies sollte bei zukünftigen Bauvorhaben miteinbezogen werden.

Wie helfen die SIA Normen 385/1 und 385/2 dabei, den Warmwasserbereich endlich präzise und gemäss dem Stand der Technik zu behandeln?

Da die neue SIA385/1 noch in Vernehmlassung ist, können noch keine konkreten Aussagen dazu gemacht werden. Jedoch gibt es schon ein paar Indizien die dafür sprechen, dass der Hygiene mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, wie zum Beispiel das regelmässige Spülen der letzten Meter in der Wohnung oder der thermischen Desinfektion alle 24 Stunden, falls das Warmwasser zwischen 25°C und 55°C ist.  Zudem werden sämtliche Abteilungen in Spitälern und Alters-u. Pflegeheimen von der Risikostufe mittel auf hoch gestuft. In der bestehenden 385/2 steht vor allem die Auslegung im Vordergrund, wie z.B die Ausstosszeiten, die statistischen Warmwasserentnahmen und der Wärmebedarf, wie auch die Hilfsenergie der Warmwasserversorgung, wobei die 385/2 nicht erneuert wurde und den Stand Januar 2015 hat.

Wie können die klaren Anforderungen an die Energieeffizienz und Ausstosszeit mit den SIA Normen in die Praxis umgesetzt werden?

Die Ausstosszeit muss eingehalten werden und die Anlage ist energieeffizient zu betreiben. Klar ist, je länger die Ausstosszeit desto uneffizienter ist die Anlage, da das unnötige resp. ungenügend warme Wasser nicht benötigt wird und so unbenutzt abfliesst.

Wie kann durch eine enge Zusammenarbeit von Architekt und Sanitärplaner erreicht werden, dass ungünstige Raumdispositionen rasch erkannt und angepasst werden?

Theoretisch wie auch praktisch kann der Architekt dank dem heutigen Stand der Technik an geographisch komplett verschiedenen Plätzen Bäder, Küchen und Duschen platzieren, jedoch wird die Installation umso teurer, nicht nur wegen der dafür nötigen Technik, sondern auch weil Planer und Architekt auch geeignete Anbindungswege resp. mehrere Steigzonen einplanen müssen. Ob das schlussendlich der Bauherr zu bezahlen gewillt ist, bin ich mir nicht sicher und ist eher unwahrscheinlich. Vorzugsweise sollten die Zapfstellen nahe beieinander liegen. Als Faustregel kann davon ausgegangen warden, dass falls nur eine Steigzone für Trinkwasser zur Verfügung steht, die weiteste Zapfstelle nicht weiter von der Steigzone platziert werden sollte, so dass die Ausstosszeit noch eingehalten werden kann. Dies ist, je nach Durchmesser der Leitung und verfügbarem Druck, unterschiedlich.