Müller: Schweizer Politik soll Bankenmarkt spielen lassen


Prof. Dr. Urs Müller

Prof. Dr. Urs Müller ist Präsident des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB) und Referent beim 5. Schweizer Bankengipfel 2015. In diesem Interview bezeichnet er die Digitalisierung als Chance für die Kantonalbanken und plädiert dafür, dass die Schweizer Politik auch dem inlandorientierten Bankenplatz mehr Gehör schenkt.

 Professor Dr. Müller, welches sind die Erfolgspositionen der Kantonalbanken in der sich digitalisierenden Welt?
Prof. Dr. Urs Müller: Für die Kantonalbanken steht klar der Kunde im Vordergrund. Ausgeprägte Kundennähe und langfristige Kundenbeziehungen sind die klassischen Stärken der Kantonalbanken. Die Digitalisierung eröffnet hier komplementär neue Wege der Kundenbeziehung und neue Kontaktmöglichkeiten/-formen. Sie bietet die Chance für eine noch engere und intensivere Beziehung zum Kunden.

Was wünschen sich die Kantonalbanken von den politischen Gremien in der Schweiz?
Müller: – Mehr Gehör dafür, dass es in der Schweiz auch einen inlandorientierten Bankenplatz (und nicht nur international orientierte Privat- und Grossbanken) gibt – trotz oder gerade wegen der internationalen Finanzkrise und dem dadurch verursachten Regulierungseifer.
– Dass die Schweizer Politik die Vielfalt auf dem Finanzplatz als eigentliche Stärke des Schweizer Finanzplatzes wiederentdeckt und gezielt fördert.
– Dass sie den Mut haben, den Markt und den Wettbewerb spielen zu lassen und nicht durch immer neue Vorschriften zu verhindern und zu verzerren.
– Dass sie den mündigen und selbstverantwortlichen Akteur/Kunden wieder ins Zentrum rücken und nicht durch falsch verstandene Regulierung entmündigen bzw. bevormunden.